Beim Online-Zocken droht Gefängnis
Von Thomas Wanhoff

«Nichts geht mehr», sagt der Croupier beim Roulette, wenn kein Einsatz mehr gemacht werden darf. Noch nichts geht derzeit beim Roulette im Internet. Denn der Gesetzgeber schiebt bislang solchen Angeboten einen Riegel vor. Doch der Druck wird größer: Schließlich geht es um einen «Milliardenmarkt», wie Jens Jansen, Betreiber mehrerer Online-Casinos, sagt. Der Däne möchte möglichst schnell ins Geschäft kommen. Er weiß: «Die Deutschen spielen gern.»

Doch ohne Lizenz geht in Deutschland gar nichts, und die ist in der Regel Ländersache. Genehmigungen für Zocken übers Internet gibt es in Deutschland nur zwei: In Bremen und in Wiesbaden. Während die Nordlichter schon wieder geschlossen haben, treibt das Internet-Spiel in der hessischen Landeshauptstadt bunte Blüten: Mitmachen darf nämlich nur, wer in Hessen wohnt. «Das zeigt, dass die Vorschriften erlassen wurden, als es noch kein Internet gab», kritisieren private Betreiber. Die Wiesbadener Kasino-Mitarbeiter rufen schon mal bei einem Spieler an, um sich des Wohnortes zu vergewissern.

Was aber, wenn man sein Glück bei einem der zahlreichen Internetanbieter aus dem Ausland versucht? Bei Jens Jansens «Euro888»-Angebot sollen schon Zehntausende aus Deutschland mitmachen. Legal ist es gleichwohl nicht. Denn die Firma ist auf Malta eingetragen und besitzt keine deutsche Lizenz zum Betreiben eines Kasinos. Paragraf 285 verbietet auch die Teilnahme an verbotenen Glücksspielen – und setzt Strafen mit bis zu sechs Monaten Freiheitsentzug an.

Die ausländischen Casino-Betreiber hoffen auf Hilfe der Gerichte und aus Brüssel. Denn schon bei privaten Sportwetten urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass das Verbot privater Glücksspiele auf europarechtlicher Seite mit erheblichen Zweifeln behaftet sei.

Eine Lizenz in Deutschland möchte Jens Jensen mit der Holding Global Gaming Entertainment (Sitz: Niederländische Antillen) in Deutschland gar nicht beantragen. «Hier müssten wir viel zu viel Geld an den Staat abführen.» Er setzt auf die Freiheit des World-Wide-Web. Das schafft nämlich Grauzonen: Denn wer zum Beispiel auf Malta in ein Internetcafé geht und dort bei «Euro888» spielt, tut nichts Verbotenes. Jensens Hoffnung: Es solle das Recht gelte, in dem sich das Casino befindet.

Genau so schwierig wie die Rechtslage ist auch die moralische Seite: Denn bislang wird die Kreditkarte als Legitimation benutzt. «Wer eine Karte hat, ist 18 Jahre alt und darf mitspielen», so der Kasino-Betreiber. Zwar könne der Spieler ein Limit festsetzen – muss es aber nicht. Das Hamburger Verfassungsgericht urteilte vor zwei Jahren bereits: «Online-Spieler sind naturgemäß nicht in Spielbanken anwesend und können so auch nicht vom Personal vor einem ruinösen Spiel bewahrt werden.»

Verbraucherzentralen betrachten die neuen Spielhallen mit Skepsis, zumal, wenn sie irgendwo in der Karibik beheimatet sind. «Da bekommt man sein Geld niemals wieder», meinte unlängst Lovis Wambach von der Bremer Verbraucherzentrale zu einem Angebot, das in ihrer Stadt auftauchte. «Im Netz tummeln sich zahllose Betrüger», warnte sie unlängst. Denn der Anbieter «Spielcasino-Bremen.com» hat mit der echten Spielbank überhaupt nichts zu tun.

Quelle: http://www.rhein-main.net/sixcms/lis...cle&id=2441346