Sportwetten:
Admiral wird Franchise-Kette

(Die Presse) 09.06.2005

Der defizitäre Sportwettenanbieter expandiert nach Osteuropa.

Wien (ps). Eine neue Strategie soll den chronisch defizitären Wettanbieter Admiral Sportwetten aus den roten Zahlen führen. Künftig wird Admiral zu einer Franchise-Kette. Nur noch 41 der 129 Filialen werden von Admiral selbst betrieben, an den restlichen Standorten beschränkt sich Admiral auf das Anbieten von "Wettdienstleistungen". Das sei ein "entscheidender Strategiewechsel", sagte Vorstand Jürgen Irsigler bei der Präsentation der Jahresbilanz am Mittwoch in Wien. Heuer werde es dadurch dennoch nicht gelingen in die Gewinnzone zurückzukehren, ergänzte sein Kollege Christian Reibenspiess.




Im Vorjahr konnte Admiral die Wetterlöse um 30 Prozent auf 124 Mill. Euro steigern und den Marktanteil im Wettgeschäft in Österreich nach eigenen Angaben auf 50 Prozent ausbauen. Der Verlust sank von 4,5 Mill. Euro im Jahr 2003 auf 3,9 Mill. Euro. In den vergangenen fünf Jahren hat Admiral nur einmal, im Jahr 2002, einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Dementsprechend groß ist der Unmut einiger Aktionäre.

Dieser wird sich wohl auf der heute, Donnerstag, in Wien stattfindenden Hauptversammlung entladen. Eine Aktionärsgruppe rund um den Wiener Rechtsanwalt Kurt Berger, die rund zehn Prozent der Anteile hält, hat eine Sonderprüfung beantragt. Berger ist mit dem Strategiewechsel nicht einverstanden und meint, dass der Hauptaktionär Novomatic - der Spielautomatenhersteller hält 74,64 Prozent der Admiral-Anteile - dem Sportwettenanbieter "wesentliche Umsatz- und Ertragspotenziale" vorenthalte.


Novomatic betreibt die Automaten in den Admiral-Filialen und auch das Gastronomie-Geschäft wurde an eine Novomatic-Tochter ausgegliedert. Reibenspiess hält das für eine "sinnvolle Arbeitsteilung" unter Konzerntöchtern. Er hält die Sonderprüfung für unnötig. Auch der Hauptaktionär Novomatic sträubt sich gegen eine Sonderprüfung. Damit der Antrag auf eine Sonderprüfung durchgeht, bedarf es aber einer einfachen Mehrheit des anwesenden Grundkapitals. Die widerspenstige Aktionärsgruppe rund um Berger wird also mit großer Sicherheit überstimmt werden.


Admiral will noch heuer den Einstieg in Polen, Kroatien, Lettland und Bulgarien schaffen. Dort seien die rechtlichen Rahmenbedingungen wesentlich liberaler als in Westeuropa, meinte Irsigler. Falls Deutschland im Spätsommer eine Marktöffnung beschließt, will Admiral auch nach Deutschland expandieren.

Trotz der Ertragsprobleme entwickelt sich der Aktienkurs von Admiral prächtig. Seit Jahresbeginn gewann das Papier 45 Prozent an Wert. Seit April notieren die Titel wieder über 12 Euro und damit sogar über dem Ausgabekurs des Börsegangs im Jahr 2001.

Quelle: http://www.diepresse.com/Artikel.asp...t=fn&id=487315