«Rien ne va plus»
Aktien von Internet-Glücksspiel-Betreibern unter Druck

Der Höhenflug von Internet-Glücksspiel-Betreibern scheint vorerst vorüber zu sein. Investoren machen sich Sorgen über die Wachstumsperspektiven und den Wettbewerbsdruck in der Branche. Trotz dem schwierigen Marktumfeld wagte der deutsche Internet-Lotto-Anbieter Tipp24 am Mittwoch den Sprung an die Frankfurter Börse.


New York, 12. Okt. (Bloomberg) Bei Aktien von Internet-Glücksspiel-Betreibern heisst es «Rien ne va plus». Der Höhenflug dieser Unternehmen, darunter Empire Online und Gaming VC, ist vorbei. Bei den Investoren liegen die Nerven inzwischen blank; sie machen sich Sorgen über die Wachstumsperspektiven und den Wettbewerbsdruck in der Branche. Der durch Merrill Lynch berechnete Internet-Gaming-Index ist um 15% abgesackt, seit PartyGaming, das weltgrösste Online-Poker-Portal, am 6. September berichtete, dass sich das Umsatzwachstum abschwächt. Die Aktien von PartyGaming notieren unter dem Einführungspreis vom 6. September; dasselbe gilt für Empire Online und 888 Holdings. Einen schwachen Börsenstart hatte auch Tipp24 (vgl. Kasten).

Flut von Börsengängen
Vor kurzem sah es noch ganz anders aus: Da standen die Investoren noch Schlange, um Aktien der Online-Glücksspiel-Anbieter zu erwerben. Mittlerweile sind sie vorsichtiger geworden, nachdem immer mehr Gesellschaften aus der Branche den Sprung aufs Börsenparkett anpeilen. Dass die Investoren nervös werden, dürfte auch an der mangelnden Transparenz der Branche liegen. Die Anleger wüssten kaum, woher die Erträge stammten, meinte eine Beobachterin. Das Geschäft der Glücksspielbetreiber scheint allerdings einträglich zu sein. Mit dem Zocken im Internet wurden im letzten Jahr Einnahmen von 8,2 Mrd. $ erzielt. Das sind 3% des weltweiten Wettspielmarktes, der ein Volumen von 243 Mrd. $ umfasst.

Zehn Internet-Glücksspiel-Betreiber sind seit April 2004 an die Börse gegangen. Und mindestens zwei weitere hegen noch Börsenpläne. Crystal Gaming, Betreiber von Online-Kasinos in Südamerika und den USA, strebt bis Ende des Jahres ein Initial Public Offering (IPO) in Grossbritannien an. Betfair, das weltgrösste Internet- Wett-Portal, erwägt ebenfalls ein Börsendébut. Einige Investoren zeigen sich skeptisch, ob die Rechnung der Glücksspielbetreiber aufgeht. Das IPO von 888 hat gezeigt, dass der Markt die zunehmende Flut dieser Börsenneulinge nicht mehr aufnehmen kann.

Parallelen zu Internetgesellschaften
Als PartyGaming im Juni 2005 an die Börse kam, gab es viel Applaus, besonders als das Unternehmen den Sprung in den FTSE-100- Index schaffte. Und jetzt will jeder auf diesen Zug aufspringen. Die Flut von Börsendebütanten bei Online-Glücksspielen und das Auftauchen neuer Wettspielportale erinnern an die Masse von Internetgesellschaften, die in den späten neunziger Jahren an den Markt drängten. Der Unterschied liegt darin, dass die Investoren diesmal streng darauf achten, auf die profitabelsten Gesellschaften zu setzen.
^Quelle: http://www.nzz.ch/2005/10/13/bm/articleD85WN.html