Kommentar: Mit Lotto gewonnen
von Mark Böschen
Die Gründer des Online-Lottovermittlers Tipp24 stehen vor dem Problem, das ihre Kunden gerne hätten: Sie haben mehrere Millionen Euro erhalten und müssen nun entscheiden, was sie mit dem ganzen Geld machen wollen.
Wozu also braucht Tipp24 die 41 Mio. Euro, die der Börsengang in die Firmenkasse gespült hat? Bislang ist das Management eine überzeugende Antwort schuldig geblieben.
Das deutsche Lottogeschäft wächst auch ohne frisches Geld. Die Hälfte der Emissionseinnahmen will der Lottovermittler in neue Produkte stecken. Die Kunden sollen bei Tipp24 bald Skat, Solitair oder Backgammon spielen - gegeneinander, und um Geld. Aber bei Skat denken die meisten bislang eher an einen Kneipenabend als eine Nacht vor dem Computer. Und der große Vorteil des Lotto, dass die meisten Spieler jede Woche wiederkommen, fällt hier weg.
Außerdem will Tipp24 im Ausland expandieren. Dabei gilt bei vielen Investoren die geringe Bedeutung des Auslandsgeschäfts bislang eher als Vorteil. Der Grund ist die zweifelhafte Rechtslage für Lottovermittler, zum Beispiel in Italien.
Die beste Verwendung für das frische Geld haben vermutlich die Beteiligungsgesellschaft Earlybird sowie andere Finanzinvestoren und Altaktionäre, denen weitere 55 Mio. Euro aus dem Börsengang zufließen. Das Tipp24-Management muss dagegen schnell einen überzeugenden Verwendungszweck für die neuen Millionen finden. Denn anders als ein Lottogewinner ist es seinen Geldgebern Rechenschaft schuldig.
http://www.ftd.de/me/cm/25950.html


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