Wire Card-Aktie mit guten Aussichten

29. August 2005 Sportwetten-Anbieter gehören zu den heimlichen oder weniger heimlichen Favoriten, die die Börsianer derzeit kennen, besonders, wenn sie im Internet aktiv sind. Doch die Aktien von Betandwin.com, Sportwetten.de oder Fluxx.com nehmen in ihren Bewertungen Gewinne vorweg, bei denen es fraglich ist, ob sie diese jemals erzielen werden. Selbst wenn man damit rechnet, daß die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft für einen kräftigen Aufschwung sorgt.

Indes hat jede Branche ihre Technologie- und Dienste-Anbieter. Beim Thema Sportwetten geht es dabei vor allem um die Abwicklung der Zahlungen. Einer dieser Technikanbieter ist die Wire Card AG aus dem bayerischen Grasbrunn, die Zahlungssystemen, Risikomanagement- und Kommunikationsdienstleistungen. Ob Kreditkarte, Lastschrift, Überweisung, Rechnung, Vorkasse, Debitkarten - alles läßt sich über Wire Card-Technik abwickeln.

Vom Call Center zum E-Payment

Außerdem bietet das Unternehmen mit Click2Pay ein alternatives Internet-Zahlungssystem an, das nach Unternehmensangaben weltweit von über 2.000 Unternehmen genutzt wird, darunter seit neuestem auch bekannte Unternehmen, wie L'Tur, Lastminute.de oder die Schweizer Ringier Gruppe.

Wire Card war früher unter dem Namen InfoGenie Europe als Anbieter von Call-Center-Lösungen bekannt. Doch das Geschäftsmodell lief nie so recht an, so daß es fast zur Insolvenz kam. Mit zwei Übernahmen wurde das Unternehmen umgewidmet. Heute lassen sich die Zahlen etwas besser an.

Im Jahr 2004 setzte das Unternehmen 40,5 Millionen Euro um und erzielte dabei ein um 17,6 Prozent höheres Vorsteuerergebnis (Ebitda) von 7,1 Millionen. Das Nettoergebnis nahm sich dagegen mit lediglich 300.000 Euro längst nicht so üppig aus. Der Vorjahresvergleich ist aufgrund der Änderung des Geschäftsmodells naturgemäß etwas mit Schwierigkeiten behaftet.

Im zweiten Quartal des laufenden Jahres betrug der Umsatz bereits 14 Millionen Euro, das waren doppelt soviel wie im Vorjahreszeitraum. Dadurch sind im ersten Halbjahr insgesamt 18,7 Millionen Euro Umsatz angelaufen - mehr als das Sechsfache wie im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres.

Ausbaufähiger Umsatz

Das Ebit konnte das Unternehmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum von rund 0,6 Millionen Euro auf rund 1,9 Millionen Euro steigern. Diese Verdreifachung führt das Unternehmen sowohl auf die Steigerung des Umsatzes als auch auf eine Verbesserung der Rentabilität zurück, die sich in einem Anstieg der Marge von 7,8 Prozent im zweiten Quartal 2004 auf 13,7 Prozent im Berichtszeitraum niederschlägt.

Vorstandschef Markus Braun gibt sich zufrieden: Man habe in allen Konzern-Segmenten ein planmäßiges Wachstum erzielt, wobei sich die im ersten Quartal realisierten Vertriebserfolge erstmalig in höheren Umsätzen gezeigt hätten.

Die Analysten von SES Research gehen davon aus, daß Wire Card rund 40 Prozent des Umsatzes im zweiten Quartal als Zahlungssystemanbieter für Online-Glücksspielanbieter und Online-Buchmacher generiert hat. Derzeit werden gerade einmal zwei Prozent des weltweiten Glücksspiel- und Sportwettenvolumens online abgewickelt. Gleich, ob man nun den Studien glaubt, nach denen der Online-Anteil bis 2008 auf acht bis zehn Prozent steigen wird - der Markt ist ausbaufähig. Besonders in Deutschland steckt er aufgrund gesetzlicher Regulierungen noch in den Kinderschuhen. Daneben hat Wire Card gerade mit den neu gewonnenen Kunden wie L'Tur im Reisesektor Fuß gefaßt.

Bewertung nimmt Chancen vorweg

Wire Card verfügt derzeit über mehr als 13 Millionen Euro liquider Mittel, denen nur rund fünf Millionen Euro nennenswerte Verbindlichkeiten gegenüber stehen. Insofern ist dort auch für etwas externes Wachstum noch Platz. Angeblich soll es bereits konkrete Verhandlungen mit geeigneten Übernahmekandidaten geben. Als noch relativ kleines Unternehmen kann Wire Card gut wachsen und dies im zweiten Quartal auch durchaus eindrucksvoll getan. Andererseits bedeutet dies auch, daß das Unternehmen zunächst einmal vergleichsweise hoch bewertet ist. So beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2005 auf immerhin 25,4. Für 2006 nimmt es sich mit 15,7 aber immerhin etwas moderater aus.

Nachdem das Papier zu Infogenie-Zeiten ebenso eindrucksvoll abgeschlachtet und zwischen 2000 und Ende 2002 von 33,90 auf 0,58 Euro durchgereicht worden war, ist die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten recht eindrucksvoll nach oben gelaufen und markierte mit 3,51 Euro am Montag der vergangenen Woche ein Drei-Jahres-Hoch.

Vor Bekanntgabe der starken Zahlen zum zweiten Quartal und angesichts einer Konsolidierung bei den Technologiewerten hat sie etwas nachgegeben, ohne daß jedoch der Aufwärtstrend der vergangenen Monate bislang gefährdet ist. Übernahmenachrichten würden den Kurs mit ziemlicher Sicherheit wieder anspringen lassen - und könnten auch die Bewertung relativieren. Nichtsdestoweniger ist Wire Card ein Wachstumswert bei dem allen Chancen und Hoffnungen auch Risiken möglicher Enttäuschungen gegenüber stehen - mit Konsequenzen für den Kurs. Darüber sollte man sich vor einer Investition im Klaren sein - und entsprechende Konsequenzen ziehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

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