Eine Wette auf die Liberalisierung des Marktes
[14:00, 27.02.07]

Von Volker Tietz

Die privaten Wettanbieter befinden sich seit einigen Wochen im Höhenflug. Der 6. März wird im Kalender rot angestrichen – ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs steht bevor.


Wenn Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga aufläuft, ziert zumeist der Spruch „we win“ die Brust des Meisters von 2004. Mit „bwin“ dürfen die Spieler von Trainer Thomas Schaaf nur auflaufen, sofern keine Unterlassungserklärung vorliegt – wie unlängst bei der Uefa-Cup-Partie in Amsterdam oder am letzten Sonntag in Mönchengladbach.

Das Spiel mit der Unterlassungserklärung ist dabei schon ein merkwürdiges. Denn eine einheitliche Regelung gibt es nicht – Werder wartet quasi darauf, ob eine Verfügung erwirkt wird. Kommt diese nicht, wird mit „bwin“ gekickt. Da sich auch die Bundesländer nicht einig sind, entstehen kuriose Situationen.


Beispiel Bayern: In München kam die Verfügung, in Nürnberg nicht (einige werden anmerken, dass Franken nicht zu Bayern gehört, aber das ist eine andere Geschichte). In Nordrhein-Westfalen gab oder gibt es Verbote aus Gelsenkirchen (Schalke 04) und Dortmund. Hingegen hatten Aachen, Leverkusen und eben Gladbach keine Einwände. Die Spitze im Kuriositätenkabinett erfolgte im Schwabenländle: Während Werder bei der Partie in Stuttgart mit dem Alternativtrikot antreten musste, gab es reichlich Bandenwerbung im Gottlieb-Daimler-Stadion mit bwin.



Das juristische Possenspiel könnte am 6. März zu den Aktien gelegt werden, wenn der Europäische Gerichtshof das „Placanica-Urteil“ fällt. Sollten die Richter in Luxemburg das Verbot für private Anbieter in Italien aufheben, hätte dies auch Auswirkungen auf den deutschen Entwurf zum „Lotterie-Staatsvertrag“. Dieser wurde Mitte Dezember mit 15:1 Stimmen der Minister aus den einzelnen Bundesländern beschlossen. Nur Schleswig-Holstein votierte dafür, das Urteil in der kommenden Woche erst einmal abzuwarten.

Da Börsianer gerne antizipieren, steigen die Kurse der Anbieter von bwin Interactive, Fluxx.com und Tipp24 seit Anfang Februar rasant an. Ein Schritt in eine positive Zukunft kann am 6. März fallen, aber eine mögliche Liberalisierung des Glücksspiel-Marktes dürfte der Staat nicht kampflos hinnehmen. Fazit: Wett-Aktien bleiben eine riskante Spekulation.

http://www.boerse-online.de/aktien/branchen/487970.html