Glücksspiel-Aktien erleben einen Boom Betandwin vor einem neuen Kursausbruch
Von Georg Morgenthaler
Frankfurt. Die Börsianer scheinen zur Zeit dem Wettfieber zu erliegen. Sportwetten- und Glücksspiel-Aktien erzielen fantastische Kursgewinne. Die BETandWIN.com Interactive Entertainment AG mit Sitz in Wien hat im laufenden Jahr bereits ihren Aktionären einen Kursgewinn von über 350 Prozent beschert. Seit ihrem Kurstief im Jahre 2002 haben sich die Aktienkurse des Sportwetten-und Glücksspiel-Anbieters von 1,30 auf 64 Euro fast verfünfzigfacht. Betandwin bietet Sportwetten, Glücksspiele (Casino) und lotterieähnliche Spiele vor allem über Internet an. Täglich werden mehrere Tausend Wetten online zur Verfügung gestellt.
Der börsennotierte Online-Wettanbieter verdreifachte im ersten Halbjahr seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 992,6 Millionen Euro und erreichte die Gewinnzone. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg von minus 1,6 Millionen auf plus 2,9 Millionen Euro.
Als Grund wird von Unternehmenschef Norbert Teufelsberger die starke Expansion angegeben. «Wir haben die Zahl der Neukunden um 100 Prozent erhöht. Derzeit sind über 375 000 Kunden bei Betandwin registriert. Diese gaben im ersten Halbjahr 52,7 Millionen Wetten ab.» Der durchschnittliche Einsatz betrage 80 Euro. Der durchschnittliche Gewinn liege bei 300 Euro, so Teufelsberger.
Das Volumen des deutschen Sportwettenmarktes wird zur Zeit auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Weltweit werden ganz andere Größenordnungen genannt. Bis 2006 soll der internationale Markt für Online-Gaming auf 100 Milliarden Dollar wachsen. Im Jahre 2002 waren es noch zehn Milliarden Dollar. Von diesem Kuchen will sich Betandwin ein großes Stück abschneiden. Das Unternehmen strebt neue Vertriebsformen wie beispielsweise Wetten über Handys an. Erste Vereinbarungen mit Telekom-Unternehmen sollen bereits getroffen worden sein, hieß es.
Auch die aggressive Marketingstrategie soll weitergeführt werden. Zur Zeit investiert die Unternehmung nahezu den kompletten Cashflow. Dies geschieht mit großem Erfolg, denn Betandwin ist zur Zeit in 16 Ländern mit 440 Millionen Einwohnern aktiv. In Mitteleuropa ist Betandwin mittlerweile Marktführer geworden und lässt die britische Konkurrenz alt aussehen. «Bis zur Fußball-WM 2006 wollen wir in allen maßgeblichen Ländern Kontinentaleuropas vertreten sein», sagt Teufelsberger. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft dürften sich die Marketing-Ausgaben wieder relativieren. Einige Analysten rechnen für das laufende Jahr mit einem Nettogewinn von knapp elf Millionen Euro. Im Jahr 2006 könnte dann der Gewinn auf 70 Millionen Euro steigen. Von einem solchen Wachstum sollte auch die Aktienkursentwicklung beflügelt werden.
Chartanalyse:
Im Juni dieses Jahres hat die Aktie von Bet-andwin ihr Allzeithoch bei 74 Euro erreicht. Seither bewegt sie sich in einem symmetrischen Dreieck. Die obere Begrenzungslinie verläuft zur Zeit bei 66,25 Euro. Die untere Begrenzungslinie liegt zur Zeit bei 60,50 Euro. Ein Ausbruch über die obere Begrenzungslinie würde aus charttechnischer Sicht ein Kaufsignal, ein Fall unter die untere Begrenzungslinie ein Verkaufssignal generieren. Auf der unteren Begrenzungslinie ist die Einrichtung eines protektiven Stop-Loss zu empfehlen.
Vom Frühjahr 2000 bis Dezember 2002 war das Betandwin-Papier einem starken Kursverfall ausgesetzt. Die Kurse fielen von 17 auf 1,30 Euro. Dann aber begannen für die Aktie zwei phänomenale Kursaufschwünge. Bis April 2004 stieg die Aktie auf ein Niveau von 14 Euro. Die Aktienkurse verzehnfachten sich in sechzehn Monaten.
Nach einer Konsolidierungsphase von vier Monaten auf ein Niveau von 8,60 Euro begann die zweite Aufschwungphase im August 2004. Sie führte in zehn Monaten auf das bisherige Allzeithoch und brachte Betandwin-Aktionären einen Kursgewinn von über 760 Prozent.
Zwischen April und Juni 2004 gab es eine Kurskorrektur als auf Grund einer Anzeige des Vereins «Anonyme Spieler Salzburg» die Wiener Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Betandwin aufnahm.
Der Verein warf Betandwin vor, mit den auf der Internethomepage angebotenen Casino-Spielen das staatliche Monopol zu brechen. Betandwin entgegnete, dass die Homepage von der Tochterfirma BAW International betrieben werde. Diese besitze Genehmigungen der Regierung von Gibraltars, die zum Betrieb eines Online-Casinos berechtigen. Entsprechend dem «Garmbelli»-Urteil des Europäischen Gerichtshofes sei es jedem Anbieter erlaubt, seine im Herkunftsland genehmigten Leistungen auch in allen anderen EU-Mitgliedsstaaten anzubieten.
Mittlerweile hat sich die Wiener Staatsanwaltschaft für nicht zuständig erklärt und ihre Ermittlungen eingestellt. Die Begründung für die Einstellung lautete, dass Betandwin mit seinem Produkt nicht nachweisbar auf den österreichischen Markt abziele und deswegen die Wiener Staatsanwaltschaft keine Zuständigkeit habe.
Argumente, die für oder gegen den Kauf der Aktien sprechen:
+ Aggressive Marketingstrategie;
+ Starkes Umsatz- und Gewinnwachstum;
– Möglicherweise hemmende Gerichtsurteile bei Verletzungen von staatlichen Glücksspielmonopolen.
Quelle: http://www.rhein-main.net/sixcms/lis...cle&id=2547055


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