Glücksspiel
Tipp24-Aktie sollte unter 20 Euro kosten
04. Oktober 2005 Zwei Sorten von Aktien laufen an der Börse derzeit besonders gut: Solaraktien und alles, was mit Wetten zu tun hat, besonders dann, wenn es im Internet stattfindet. Die Voraussetzungen für den Börsengang des Internet-Lottoanbieters Tipp24 sind damit schon einmal gut.
Tipp24 vermittelt in Deutschland über die Website www.tipp24.de die Teilnahme an nahezu allen Glücksspielen der staatlichen und staatlich konzessionierten Lotterien. Außerdem betreibt Tipp24 für Partner das Lotto auf deren Seiten.
Online-Annahmestelle erfreut sich wachsender Beliebtheit
Derzeit präsentiert sich das Unternehmen auf der Roadshow den Analysten. Läuft alles wie geplant, könnte die Zeichnungsfrist bereits am Freitag beginnen und der erste Kurs am Mittwoch der kommenden Woche gestellt werden. Jedenfall soll die Zeichnungsfrist nicht länger als drei Tage dauern. Spätestens aber am 14. November sollte die Aktie an der Börse zu erwerben sein. Denn der letzte Termin für den Beginn der Zeichnungsfrist ist der Achte des kommenden Monats.
Gegründet wurde die heutige Tipp24 AG 1999 von Marc Peters und Jens Schumann und war nach eigenem Bekunden mit einem Transaktionsvolumen in Höhe von 154,1 Millionen Euro im Jahr 2004 die Nummer Eins für Lotto im Internet in Deutschland. Mit den Tochtergesellschaften Ventura24 und Puntogioco24 sieht sich Tipp24 als Pionier auch in den Märkten Italien und Spanien und dort gleichfalls als Marktführer.
Im wesentlichen also eine Online-Annahmestelle für staatliches Lotto, Klassenlotterie und Oddset-Sportwetten, steigerte Tipp24 in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres den Umsatz um 37 Prozent auf 12,2 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg auf 2,8 von 600.000 Euro.
Wachstumskurs sollte sich fortsetzen
Damit schloß Tipp24 an die Wachstumsdynamik der Vorjahre an. So wuchsen die Umsätze auch in den Vorjahren im mittleren zweistelligen Bereich und auch die Gewinnentwicklung zeigt eine entsprechende Dynamik. So wurden mit dem Vorsteuerergebnis von 2,8 Millionen Euro bereits 87,5 Prozent des Vorjahresergebnisses erreicht.
Etwas unregelmäßiger entwickelt sich der Überschuß. So standen 2003 drei Millionen Euro unter dem Strich, 2004 aber nur noch 1,6 Millionen. Dies ist indes darauf zurückzuführen, daß Tipp24 im Jahr 2003 latente Steuern auf sämtliche verbliebenen steuerlichen Verlustvorträge aktivierte, da „auf Grund der positiven Geschäftsentwicklung eine kurzfristige Nutzung zu erwarten war”.
Im zweiten Halbjahr erwartet Tipp24 eine weitere Steigerung der Anzahl der registrierten Kunden bei einer gleichbleibenden durchschnittlichen Aktivitätsrate, so daß das Transaktionsvolumen analog zu den Vorjahren wachsen sollte. Leicht steigen soll dabei die Rohmarge, da man plane, neue Produkte mit höherer Rohmarge in das eigene Produktportfolio aufzunehmen.
Konkret handele es sich um Extra Lotto, die ARD Fernsehlotterie sowie Bono Loto in Spanien und das von Lottomatica in Italien angebotene Lotto. Zudem habe man mit T-Online eine Kooperation begonnen, mithin liege noch kein unterzeichneter Vertrag vor. Kommt die Vereinbarung zustande, könnte 2006 eins ehr erfolgreiches Jahr für Tipp24 werden. Insgesamt erwartet die Gesellschaft für das Jahr 2005 „insgesamt ein starkes Wachstum des Ebit im Vergleich zum Vorjahr sowie auch im Jahr 2006 erhebliche Steigerungsraten”.
Streubesitz von rund 50 Prozent angestrebt
Auch das Ergebnis soll dies widerspiegeln. Allerdings werde Italien noch Anlaufverluste verursachen, zumal die italienischen Staatsanwaltschaft gegen den Geschäftsführer von Puntogioco24 wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Verbot der Annahme von Wetten über Telemedien ohne Zulassung. Dabei könnte unter Umständen auch eine behördlich oder gerichtlich angeordnete Einstellung des Geschäftsbetriebs und gleichsam der vollständige Verlust der Investitionen drohen.
Morgan Stanley, die neben der Deutschen Bank als einer der Konsortialführer auftreten, erwarten in den kommenden zwei Jahren einen deutlichen Sprung bei Umsatz und Ergebnis. 2006 soll der Nettogewinn von 3,4 Millionen Euro auf über 7,7 im Jahr 2006 und 12,6 Millionen Euro im Jahr 2007 anwachsen.
Das Unternehmen will insgesamt 4,688 Millionen Stammaktien (ISIN: DE0007847147) ausgeben, davon stammen 2,16 Millionen aus einer Kapitalerhöhung, 1,901 Millionen Aktien werden von den Altaktionären abgegeben. Hinzu kommt eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von 610.000 Aktien aus dem Eigentum der Altaktionäre. Dies würde nach dem Börsengang bei Ausübung des Greenshoes einen Streubesitz von 52,8 Prozent ergeben.
An der 1999 gegründeten Gesellschaft ist die Wagniskapitalgesellschaft Earlybird mit rund 49 Prozent beteiligt, rund 37 Prozent der Anteile liegen in den Händen des Vorstandes. Die Erlöse will Tipp24 für den Ausbau des bestehenden Produkt- und Serviceportfolios und sowohl für internes wie auch externes Wachstum verwenden.
Hoffen auf eine moderate Preisspanne
Eine Bewertung des Unternehmens und die Kalkulation einer fairen Preisspanne ist naturgemäß mit Schwierigkeiten verbunden. Finanzkreise schätzen angeblich den Börsenwert des Hamburger Unternehmens auf 240 bis 270 Millionen Euro. Dies entspräche einer Emissionsspanne von 27 bis 30 Euro.
Der Konsortialführer Deutsche Bank beziffert das Emissionsvolumen dagegen auf 70 bis 140 Millionen Euro, was einer Emissionsspanne von 15 bis 30 Euro entspräche. Legt man die Schätzungen von Morgan Stanley zugrunde, so ergibt sich ein Ergebnis je Aktie von rund 38 Cent im laufenden und 87 im kommenden Jahr. Um ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15 im kommenden Jahr zu erreichen, dürfte der Emissionspreis lediglich bei 13 Euro liegen. Für 2005 wäre die Aktie dann mit einem KGV von 34 bewertet. Insofern darf auf die Emissionsspanne noch mit Spannung gewartet werden. Selbst wenn man ein 2007er KGV von 15 akzeptiert dürfte der Emissionspreis dann 21 Euro nicht überschreiten.
Quelle: http://www.faz.net/s/RubEA492BA0F6EB...~Scontent.html


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