TV-Sender Premiere plant Wettkanal
Von Thomas Knüwer und Oliver Stock
Der Pay-TV-Sender Premiere will mit dem amerikanischen Pferderrennbahn-Betreiber Magna Entertainment Corporation (MEC) unter dem Namen „Premiere Win“ einen Wettkanal im Fernsehen betreiben.Es gebe entsprechende Gespräche, sagte ein Premiere-Sprecher dem Handelsblatt. Möglicherweise komme es in dieser Woche zu einer Einigung.
WIEN/DÜSSELDORF. Noch existierten keine unterschriebenen Verträge und es sei nicht klar, ob „Premiere Win“ mit Magna fusionieren werde. Möglich sei auch eine schlichte Kooperation. Allerdings haben beide Partner den Zusammenschluss bereits beim Bundeskartellamt angemeldet – rein vorsorglich, wie der Sprecher versichert.
Kommt die Fusion beim Wettkanal, arbeitet Premiere künftig mit einem der größten Wettkonzerne der Welt zusammen. MEC ist der führende Rennbahnbetreiber in Nordamerika und Marktführer bei Pferdewetten. Besitzer ist der Austrokanadier Frank Stronach, der den kanadischen Magna-Konzern gegründet hat und mit Magna Steyr den größten österreichischen Automobilzulieferer errichtete.
Stronach gilt als Sportfan, vor allem Pferde haben es dem 72-Jährigen angetan: Mit rund 800 Vollblütern gehört er zu den größten Züchtern und Rennstallbesitzern der Welt. Anfang April eröffnete er mit der neuen Pferderennbahn im österreichischen Ebreichsdorf eine der modernsten Anlagen in ganz Europa. Kosten: 75 Mill. Euro.
Die Betreiber versuchen mit allen Mitteln, ihre Gäste fürs Wetten zu begeistern. So werden im Entertainment-Center auf einer Leinwand bis zu fünf Sportereignisse gleichzeitig übertragen. Bei Hostessen können die Gäste Wetten platzieren, im Casinobereich gibt es Automaten, an denen auf Pferderennen gesetzt werden kann.
Schönster Nebeneffekt des Neubaus für Stronach: Er erwarb dadurch eine EU-weite Lizenz für Sportwetten, die in Österreich, wo dieser Markt liberalisiert ist, leichter als anderswo zu haben ist.
Dies könnte ihm nun auch in Deutschland die Tür öffnen. Ende des Jahres wird das Bundesverfassungsgericht hier über den Sportwettenmarkt entscheiden – alles andere als eine Liberalisierung wäre eine Überraschung. Dann könnte Magna auch auf das Sportereignis wetten lassen, dass die Branche auf den Durchbruch in Deutschland hoffen lässt: die Fußball-WM 2006.
So will auch die Internet-Wettbörse Mybet.com bis Ende des Jahres einen Wettkanal starten Mögliche Helfer: RTL oder das Deutsche Sportfernsehen (DSF). „Wir sind zurzeit in Gesprächen mit mehreren potenziellen Partnern“, sagt Mybet-Geschäftsführer Christopher Gauci. Den Anfang sollen Fußball-Wetten machen. Später kann auch auf die Formel 1 gesetzt werden.
Premiere betritt mit dem Wettkanal Neuland. Abonnenten des Senders finden zwar bereits seit einiger Zeit „Premiere Win“ im Programmangebot. Der Kanal ist jedoch noch nicht freigeschaltet. Vom Deutschen Derby in Hamburg berichtete Premiere kürzlich eine Stunde lang unverschlüsselt.
Die bevorstehende Zusammenarbeit mit Magna deutet darauf hin, dass bis zur Fußball-WM der Schwerpunkt von Premiere Win bei Pferdewetten liegen wird. Eine überraschende Wahl: Galopper und Traber in Deutschland darben dahin. Zwar sind die Zuschauerzahlen auf den Bahnen zufrieden stellend, doch sinken die Wetteinnahmen. Die meisten Bahnen machen Verluste, viele hängen am Tropf der Kommunen.
„Ich sehe keine positiven Auswirkungen“, kommentiert Norman Albers eine Allianz von Magna und Premiere. Der Chef des Deutschen Buchmacherverbandes vermutet, dass Premiere Win am Abend gefüttert würde mit Live-Übertragungen von Rennen aus den USA und Großbritannien. Selbst wenn es um deutsche Rennen geht: Von Wetten, die bei Magna platziert würden hätten die deutschen Bahnen nichts – das Geld bliebe beim Österreicher.
Quelle: http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=...=go&id=1071506


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