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Die Zeit läuft gegen Bwin
Wenn Sie am 13. jeden Monats nicht ins Casino gehen, verzichten Sie auf Ihr 13. Gehalt. Das sagt die Fernseh-Werbung der Casinos Austria. Ausgerechnet das 13. Gehalt. Ein Einkommensbestandteil, der den sicherst möglichen Beschäftigungsverhältnissen der Republik vorbehalten - also Angestellten- und Beamtentum - und noch dazu steuerbegünstigt ist. Geht man also am 13. nicht ins Casino, verzichtet man auf Geld, das hierzulande mit dem Prädikat "garantiert" behaftet ist. Diese Art von Werbung wäre bei weitem nicht so bedenklich, würde sie nicht von einem Monopolisten kommen, der zur Verteidigung seiner staatlich garantierten Marktbeherrschung anführt, den Spieler, im Gegensatz zu anderen, privaten Spiel- und Wettanbietern, zu schützen. Ob ein möglicherweise spielsüchtiger TV-Konsument tatsächlich vor sich selbst bewahrt wird, wenn in einer Glücksspielwerbung mit dem Bild garantierter Einkommensarten gespielt wird, darf zumindest hinterfragt werden - was derzeit auf europäischer Ebene auch geschieht. Stichwort: Liberalisierung des Glücksspielmarktes. Für private Wettanbieter wie Bwin sind solche Prozesse natürlich positiv - die Frage ist: welches sind die Auswirkungen auf die Aktie? Die Antwort fällt parallel zu den juristischen Fortschritten aus: was kommt, ist sehr gering, sehr langsam und deshalb - auf Jahressicht gesehen - zu spät. Kursgemetzel Das Bwin-Papier war zuletzt rund 17 Euro wert. Das bedeutet gegenüber dem Jahreshöchststand ein Minus von mehr als 50 Prozent. Das ist an sich schon nicht besonders erfreulich - noch betrüblicher ist eigentlich nur der Blick nach vorne. Mit den Zahlen zum zweiten Quartal hat sich nämlich auch die Bewertung von Bwin verschlechtert. So ist die Zahl der Sportwetten-Kunden im Vergleich zum Vorjahr um rund sechs Prozent zurückgegangen. Was an sich nicht allzu dramatisch wäre, fand im Vorjahreszeitraum doch die Fussball-WM als ausserordentlicher Umsatztreiber statt. Allerdings hat sich diese Kennzahl auch im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres verschlechtert - und zwar um knapp zwei Prozent. Das dahintersteckende Problem: mit dem behördlich erzwungenen Wegfall von TV-Werbung in umsatzstarken Märkten wie Deutschland, Frankreich und Italien sinkt der Bekanntheitsgrad und damit die Besucherfrequenz. Zwar hat das Wetthaus mit Real Madrid einen prestigeträchtigen Werbeträger gewonnen, der Wirkungsgrad gegenüber direkter TV-Werbung fällt jedoch deutlich schwächer aus. Doch nicht nur das operative Geschäft bröselt dieser Tage weg - auch die Aktienkennzahlen selbst halten einige unangenehme Überraschungen parat. Beispielsweise der Anstieg bei den Personalkosten, der im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Millionen Euro gestiegen ist. Davon entfallen allerdings nur 1,3 Millionen auf die gewachsene Belegschaft. Den Rest machen Aktienoptionen aus, die in den kommenden beiden Quartalen laut Unternehmen auf bis zu sechs Millionen Euro steigen können - was sich zwar nicht auf den Cashflow auswirkt, aber direkt in die GuV-Rechnung einfliesst und somit das EBIT drückt. Die aktuellen drei Millionen könnte man als Peanuts bezeichnen, wenn man an die abschreibungsbedingten Verluste denkt, die im Vorjahr die 500-Millionen-Euro-Grenze überschritten haben. Zieht man aber in Betracht, dass das positive EBIT im Jahr davor bei 7,7 Millionen Euro gelegen ist, wird klar, in welchen Dimensionen wir uns bewegen. Mehr als fair bewertet Auch im Vergleich mit der Peer Group wird sehr schnell klar, dass das Papier wohl maximal dorthin gehört, wo es sich gerade befindet: also bei 17 Euro. Sowohl beim aus dem Analystenkonsens ermittelten KGV als auch beim Buchwert je Aktie ergibt der Median, dass das Papier im Branchen-Schnitt liegt. Einzelne Analyse-Abteilungen wie die der UniCredit erwarten gar, dass sich das Ergebnis bis ins Jahr 2008 im negativen Bereich halten wird. Auch der beantragte und bewilligte Aktienrückkauf im Ausmass von bis zu zehn Prozent bleibt Zukunftsmusik, solange die entsprechenden Gewinnrücklagen nicht da sind. Bleibt für Bwin-Aktionäre als einziger Hoffnungsfunke die nicht unbedingt für ihre Zügigkeit bekannte Justiz - die Aktie kann also kurzfristig nicht zum Kauf empfohlen werden. Quelle: http://www.wirtschaftsblatt.at |