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Alt 13.10.2007, 15:31
zeitungsjunge zeitungsjunge ist offline
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Standard "Poker hat auf Dauer nichts mit Glück zu tun"

"Poker hat auf Dauer nichts mit Glück zu tun"
von Reiner Jäckle

Pokern - in den USA längst hoffähig, findet das Kartenspiel in Europa immer mehr Anhänger. Im Fernsehen ist Pokern bereits zum festen Bestandteil geworden. Im Internet wird schon rund um die Uhr gespielt. Deutschlands erfolgreichster Poker-Profi ist Eduard "Eddy" Scharf. Er sagt, dass Pokern mit Glück überhaupt nichts zu tun hat.
Das Profi-Team der Pokerspieler von FullTiltPoker.net
www.fulltiltpoker.net

Big Blinds, Bluffs, Flops, Calls, Folds, Raises - die Liste kann noch lange fortgeführt werden. Eines haben alle Begriffe gemeinsam: es geht um Poker. Das Kartenspiel soll um 1829 von französischen Siedlern nach New Orleans in die USA gebracht worden sein. Seitdem hat sich vieles, wenn nicht sogar fast alles geändert.

Poker hatte lange Jahre mit einem anrüchigen Ruf zu kämpfen. Oft waren es Falschspieler, die mit gezinkten Karten agierten, die dem Spiel zu einen schlechten Ruf verhalfen. Als "reines Glücksspiel" verschrieen, entdeckten Profispieler aber sehr früh, dass es beim Pokern auch eine sehr große strategische und psychologische Komponente gibt.

In den Spielhallen der USA ist Poker schon lange hoffähig. Mittlerweile hat sich das Spiel auch in Europa und in Deutschland etabliert. Nahezu täglich gibt es Übertragungen im Fernsehen zu sehen. Vor allem im Online-Bereich erfreut sich Pokern einer immer rapide größer werdenden Fangemeinde, die sich höchst intensiv duelliert. Allerdings hat sich das Spiel gehörig verändert.

Poker im Internet ist der große Renner
Heads Up mit mit Pokerprofi John Juanda (rechts)
www.FullTiltPoker.net

In der Zwischenzeit gibt es viele verschiedene Pokeranbieter. Einer davon ist FullTiltPoker.net. In München veranstaltete dieser eines von sechs großen Städteturnieren mit jeweils 2100 Amateur-Spielern. Dabei ging es um eine maximale Gewinnsumme von einer Million Euro. Durch die mediale Präsenz gibt es auch zahlreiche Stars. Namen wie Phil Ivey, Chris "Jesus" Ferguson, John Juanda oder Gus Hansen haben es zum Starstatus gebracht. Das sind nur vier von 13 Profis, die in München waren.

Die Poker-Anbieter agieren zum Großteil im Internet. Gespielt wird meist die Variante "Texas Hold'em". Genauso wie in München. Allerdings saßen die Spieler dort Auge in Auge am Tisch gegenüber. Jeder erhält dabei zwei Karten. Der Dealer (der Kartengeber am Tisch) deckt anschließend fünf Karten auf. Wer am Ende mit drei frei wählbaren offen gelegten und seinen beiden Karten von der Hand die beste Kombination hat, gewinnt die Runde. Vorausgesetzt es wird bis zum Ende gesetzt. Denn genau da beginnt der Nervenkitzel - das Bluffen. Bis zum Aufdecken der Karten kann bis zu vier Mal der Einsatz erhöht werden.

Eddy Scharf ist deutscher Poker-Profi
Poker-Profi Eddy Scharf
www.eddy-scharf.de
Einer, der das Pokerspiel bestens beherrscht ist Eduard "Eddy" Scharf. Als einziger Deutscher hat er bereits zwei Mal ein World-League-of-Poker-Event gewonnen. Er spielt seit 17 Jahren und hat in dieser Zeit ein Preisgeld von etwa einer Million Dollar eingesteckt.

Noch ein Jahr ist der Kölner hauptberuflich als Pilot im Einsatz. Dann will er sich ganz dem Pokern widmen. Während seiner Ausbildung in der Pilotenschule in Phoenix kam der 53-Jährige zum ersten Mal mit dem Kartenspiel in Kontakt. "Wir fuhren damals ab und zu nach Las Vegas", erinnert er sich. Seitdem ist er von dem Spiel fasziniert.

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Interview

Sehen Sie das Interview mit Eddy Scharf in voller Länge

Full Tilt Poker.net

Ein Film über die Million Euro Challenge in München
"Das Herzstück beim Pokern ist das Bluffen", beschreibt er seine Faszination. Aber auch Menschenkenntnis sei gefragt. "Man liest Menschen", sagt Scharf. "Zudem lernt man sich selbst kennen, wie man es manchmal gar nicht möchte."

Langfristig hat Poker nichts mit Glück zu tun

Für viele hat Poker immer noch viel mit Glück zu tun. Scharf hat da eine ganz andere Meinung: "Kurzfristig hat das Spiel sicher mit Glück zu tun. Langfristig aber überhaupt nicht." Man könne schon über einen gewissen Zeitraum Pech haben, wenn man gut spiele. Aber auf Dauer eben nicht. "Das ist eine mathematische Sache", sagt der Kölner mit einem Grinsen. Sein Erfolg gibt ihm Recht.

Er hat auch ein praktisches Beispiel parat: "Wenn es von 365 Tagen insgesamt 100 Tage regnet, kann es täglich regnen. Allerdings ist das dann Pech. Aber auf Dauer wird es nicht regnen." So soll es auch bei Poker sein. "Je länger der Zeitraum des Spiels ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Bessere gewinnt", erklärt der 53-Jährige.
Poker-Profi Eddy Scharf
www.eddy-scharf.de

Scharf wirkt in Interviews sehr ruhig, gibt klare Sätze von sich und wirkt absolut selbstsicher. Er spricht nicht nur von seiner Meinung und Einstellung, sondern verkauft sich dabei äußerst überzeugend: Ein ganzer Pokerprofi eben. Über sein Naturell sagt er selbst: "Ich bin sehr kontrolliert und gehe nur kalkulierbare Risiken ein. Ich bin nicht der Typ, der die ganze Existenz auf eine Karte setzt."

Einen Tipp hat Eduard "Eddy" Scharf für ambitionierte Spieler: "Solange man glaubt, Poker ist ein Glückspiel, ist man auf dem falschen Dampfer." Neben Üben und Lernen stehe eines ganz besonders im Vordergrund: "Jeder muss die Verantwortung für sein eigenes Spiel übernehmen."

http://www.suedkurier.de/freizeit/po...232359,2840786
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